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  mahayana    
 

Kennzeichen des Mahayana
Bodhisattvas
Die drei Koerper Buddhas
Leere


 
     
 

Avalokiteshvara

Bodhisattva Avalokiteshvara Padmapani,
 "der den Lotos in der Hand haelt,"
 Bronzeguss, H: 60 cm.  Suedliches bis
westliches Tibet,  mit starken nepalischen
 Einfluessen, 13.-14. Jh.
 
Avalokiteshvara ist der Bodhisattva des
unendlichen
Mitgefuehls. Ihm ist das
beruehmte Mantra "Om, mani padme, hum"
zugeordnet.
"Om" und "hum" bedeuten soviel
wie "Anfang und Ende", "mani padme" heißt
soviel wie "Juwel in der Lotosbluete". Alle
Dalai Lamas gelten als Inkarnationen
Avalokiteshvaras.
Mit freundlicher Genehmigung des
© Linden-Museums Stuttgart

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
     
     

Mahayana bedeutet woertlich "Großes Fahrzeug". Das Mahayana umfasst all die verschiedenen Schulen des Buddhismus, die fuer sich beanspruchen, die Lehre des Theravada erweitert und vervollkommnet zu haben. Es ist die vorherrschende Form des Buddhismus in Laendern wie Tibet, China, Japan, Korea und Vietnam. In seinen vielfaeltigen Formen entwickelte es sich bereits seit dem 1. Jahrhundert v. Christus.

Kennzeichen des Mahayana sind u.a.:

  • Abkehr von der reinen Moenchsreligion des Theravada.
    Nach Ansicht des Mahayana koennen alle, ob Moenche oder Laien, die Befreiung erlangen. Daher auch der Name "Großes Fahrzeug" (das Theravada wird bisweilen auch Hinayana = "Kleines Fahrzeug") genannt.

  • Je nach Schule werden weitere, spaetere Schriften anerkannt, die den Pali-Kanon des Theravada ergaenzen sollen. Ebenso finden diverse "esoterische" Lehren Eingang in das Mahayana.
  • Staerkere Betonung der Glaeubigkeit und Froemmigkeit. Einbezug lokaler Goetter, Daemonen und kultureller sowie religioeser Traditionen in die buddhistische Glaubenswelt. Im Folgenden einige zentrale Kennzeichen des Mahayana:
       
 

monsterZornvoller Gott oder Daemon
Zornvolle Goetter oder Daemonen sind nicht
boese, sondern sie stellen entweder die
"Schattenseite" erleuchteter Wesen dar oder
sind machtvolle Beschuetzer des Dharma.

Meist haben sie einen furchterregenden
Gesichtsausdruck mit weit aufgerissenen
Augen und Mund.

 
 

Bodhisattvas

Im Lotus-Sutra, einer fuer das Mahayana besonders wichtigen Schrift, wird der Sinn des Strebens nach Erleuchtung weiter gefasst als im Theravada: Ziel ist nun nicht mehr die individuelle Befreiung vom Leid des Lebens, sondern das Ziel besteht darin, ein Bodhisattva ("Erleuchtungswesen") zu werden - zum Nutzen aller Wesen.

Ein Bodhisattva ist ein Mensch auf dem Weg zum Erwachen, der gelobt, so lange auf die vollstaendige Erleuchtung des Nirvana zu verzichten, bis alle anderen Wesen gerettet sind. Der Bodhisattva ist das hoechste Ideal des Mahayana und eine Verkoerperung von Liebe, Mitgefuehl und Weisheit.

Im Mahayana gibt es neben den irdischen Bodhisattvas auch zahlreiche "himmlische" Bodhisattvas, die als Aspekte des ewigen Buddha angesehen werden. An sie kann sich der Glaeubige vertrauensvoll wenden.

     


Die Drei Koerper Buddhas

Im Theravada ist der Buddha eine historische Person, die nicht mehr lebt, aber den Dharma als Vermaechtnis zurueckließ.

Im Mahayana nun erscheint der Buddha als ewiges universales Prinzip in drei Aspekten (drei "Koerpern"). Danach besteht er aus einem transzendenten "Wahrheitskoerper" (Dharma-Kaya), einem feinstofflichen "Seligkeitskoerper" (Sambhoga-Kaya) und einem "Verwandlungskoerper" (Nirmana-Kaya). Der Nirmana-Kaya entspricht dem physischen Körper, also der historischen Person Siddharta Gautama. Nur als letzterer wird der Dharma-Kaya fuer das gewoehnliche menschliche Auge sichtbar.

Der historische Buddha Siddharta Gautama war dieser Theorie zufolge also eine koerperliche Manifestation (als menschlicher "Verwandlungskoerper", d.h. sterblicher Koerper) des Dharma-Kaya. Somit wird erklaerbar, wie ueber die Zeitalter immer wieder verschiedene Buddhas erscheinen, die jedoch ein- und dieselbe Wahrheit (Dharma) lehren und verkoerpern.

Der "Seligkeitskoerper" nimmt hierbei eine Zwischenstellung zwischen der grobstofflichen Ebene (Verwandlungskoerper) einerseits und der letzten Wahrheit (Dharma) anderseits ein. Er kann fortgeschrittenen Meditierenden visionaer erscheinen.

Zu beachten ist bei der Drei-Koerper-Lehre jedoch, dass es sich, wie immer im Buddhismus, auch bei den "Drei Koerpern" nicht um Wesenheiten oder an-und-für-sich existierende Substanzen handelt. Vielmehr stehen sie symbolisch fuer verschiedene Bewusstseinsformen bzw.- stufen.

 

Leere

Das Konzept der "Leerheit" oder "Leere" (Shunyata) stellt eine Weiterentwicklung und Radikalisierung der Erkenntnis Buddhas dar, dass es keine objektiv-unveraenderliche Wirklichkeit gibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass ueberhaupt nichts existiert. Vielmehr bedeutet es, dass alle Phaenomene nur in wechselseitiger Abhangigkeit existieren.

Der brilliante Mahayana-Philosoh Nagarjuna (2.-3. Jahrhundert nach Chr.) drueckte den Sachverhalt folgendermaßen aus:

"Was Entstehen in gegenseitiger Abhaengigkeit ist, das ist Leerheit". *

*(zitiert nach von Brueck, "Buddhismus. Grundlagen-Geschichte-Praxis",
GTB 1998. S.193)

Die letzte Realitaet ist "Leerheit", denn sie laesst sich nicht in Begriffe fassen. Das Konzept der Leere wird auch auf die buddhistischen Lehren selbst angewendet! Demzufolge sind auch der Dharma, die Vier Edlen Wahrheiten, der achtfache Weg etc. "leer".

Damit soll verhindert werden, dass sich der Mensch nur wieder an neue Konzepte klammert, anstatt die Wirklichkeit des Hier und Jetzt zu erfahren. Eine solche selbstkritische Infragestellung der eigenen Werte ist meines Wissens in anderen Religionen beispiellos und erklaert vielleicht die weitgehende Toleranz und Wandlungsfaehigkeit des Buddhismus.

     

 

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